6 Gebäude.
1.800 Messpunkte.
Kein geplantes WLAN.
Neubau aus 2010. Altbau. Netzwerkdosen – aber keine Funkplanung. So sieht Realität aus. Wir haben gemessen. Und dabei gelernt, warum WLAN keine Komfortfunktion ist – sondern Infrastruktur.
Eine Reha-Klinik in Rheinland-Pfalz. Neubau aus 2010, Altbau, mehrere Gebäude. Netzwerkdosen vorhanden – aber keine einzige durchdachte Funkplanung. Unsere Aufgabe: herausfinden was wirklich möglich ist, bevor irgendjemand einen Access Point bestellt.
Die Ausgangslage: Gebaut ohne WLAN im Kopf.
Das ist kein Vorwurf an die Architekten von 2010. Damals war WLAN in Reha-Kliniken noch kein Standard. Heute ist es das – Pflegepersonal mit Tablets, digitale Patientenakten, medizinische Geräte die Funkkonnektivität brauchen. Die Infrastruktur muss nachgerüstet werden.
Bevor man Access Points kauft und Elektriker beauftragt, muss man wissen: Wo kommt das Signal durch – und wo nicht? Das klingt simpel. Ist es nicht.
Links: Messaufbau in der Kantine mit echtem Cisco-AP auf Stativ. Rechts: Korridor-Messung mit Live-Auswertung der dBm-Werte.
Neubau vs. Altbau: Zwei völlig verschiedene Welten.
Der Neubau sieht modern aus. Ist auch modern. Aber für WLAN ist er ein Albtraum.
Kalksandstein-Außenwände. Massive Betonelemente als Fertigteile – jedes Patientenzimmer hat ein vorgefertigtes Betonmodul als Nasszelle das in die Hülle gehoben wurde. Das bedeutet: zwei dämpfende Schichten hintereinander. Kalksand plus fast raumgroßes Betonfertigteil. Das Signal kommt noch durch die Zimmertür – aber das Bad filtert es praktisch vollständig heraus.
Klassische Bauweise, dünnere Trennwände, weniger Fertigteile. Das Signal verhält sich deutlich besser. Weniger Access Points, bessere Abdeckung. Was paradox klingt – der ältere Bau ist WLAN-freundlicher als der neuere.
Der mobile Messaufbau: AP auf Stativ, LTE-Router für Konfigurationszugriff, 150-Watt-Akkupack damit der AP durchgehend läuft und nicht bei jedem Standortwechsel neu bootet.
Das Mess-Setup: Effizienz ist keine Option – sie ist Voraussetzung.
Bei 1.800 Messpunkten in 6 Gebäuden kann man sich keine improvisierten Setups leisten. Wir haben mit echten Cisco Access Points auf Stativ gemessen – nicht mit Simulationssoftware.
Cisco Access Point auf Stativ
Reale Hardware statt Simulation. Was gemessen wird ist das was später auch montiert wird – gleicher AP, gleiche Sendeleistung, gleiche Antenne.
LTE-Router für Konfigurationszugriff
Die APs haben einen Offline-Modus für Messungen. Wir haben trotzdem einen LTE-Router mitgenommen – um die Konfiguration jederzeit selbst anpassen zu können und 8 Stunden am Stück durchzuarbeiten ohne Unterbrechungen.
150-Watt-Akkupack
Der entscheidende Vorteil: Der AP musste nicht bei jedem Standortwechsel neu gebootet werden. Mit Akku bleibt er durchgehend in Betrieb – 10–12 Minuten Bootzeit pro Standortwechsel wären bei 1.800 Messpunkten nicht handhabbar gewesen.
10–12 Minuten Bootzeit
Jeder AP braucht diese Zeit bis er sendet. Der mobile Setup macht das handhabbar – ohne ihn wäre die Messung doppelt so lang geworden.
Im 10-Sekunden-Takt gescannt. dBm-Werte systematisch ausgewertet. 30.000 Schritte durch Flure, Zimmer, Treppenhäuser und Technikräume. Die reine Messung hat knapp drei Tage gedauert. Mit Nachbearbeitung, Planerstellung, Auswertung und Empfehlungsbericht kommt man auf rund fünf Tage. Das ist keine Planungsarbeit am Schreibtisch – das ist Handwerk.
Die Anforderung: Unsichtbar – aber messbar schlechter.
Die Klinik hat eine verständliche ästhetische Anforderung: Access Points sollen in die Decke integriert werden, nicht sichtbar. Kein weißer Plastikkasten der aus der Deckenverkleidung ragt.
Jeder Zentimeter Abstand zwischen AP und Deckenöffnung kostet Signal. Eine deckenintegrierte Montage dämpft das Signal messbar – mehrere Dezibel weniger als eine frei hängende Montage. Das muss in die Planung eingerechnet werden: mehr APs, andere Abstände, andere Sendeleistung.
Wir haben beides gemessen und direkt verglichen – frei hängend vs. eingebaut simuliert. Das Ergebnis ist dokumentiert. Wer plant muss damit rechnen.
Ein weiterer Grund für deckenintegrierte Montage: Verhindern dass Access Points „Füße bekommen". In einer Reha-Einrichtung mit Patienten die täglich an Geräten vorbeigehen ist das kein theoretisches Risiko. Deckenintegration schützt die Hardware – auch wenn sie das Signal etwas kostet.
Die eigentliche Herausforderung: Wo kann überhaupt ein Kabel hin?
Ein Access Point ist schnell platziert auf dem Papier. In der Realität stellt sich die Frage: Kann man da überhaupt ein Kabel hinziehen?
Neubau heißt nicht einfach. Betonfertigteile haben keine vorgesehenen Kabelwege. Hohlräume in der Deckenverkleidung sind nicht überall vorhanden. Jeder Kabelweg muss mit dem Elektriker abgestimmt werden – bevor der erste AP bestellt wird.
Wir haben Standorte nicht nur nach Signalabdeckung gewählt, sondern immer auch mit der Frage: Ist hier Kabelführung realistisch? Das ist der Unterschied zwischen Planung und Wunschdenken.
„Vorteilhaft war, dass es kein anderes WLAN gab. Keine Störsignale, keine Nachbarnetze. Wir haben auf einer grünen Wiese gemessen – auf einem bestehenden Gebäude."
Ahmet Hayirli · HAYTRON IT-SolutionsDas klingt nach Luxus. Ist es auch. Die Auswertung der Messdaten war dadurch sauber – jeder gemessene Wert kommt von unserem AP, nicht von irgendwelchen Nachbarnetzen die das Bild verfälschen. In städtischen Umgebungen ist das anders.
Signalstärken in der Praxis: Was reicht wofür?
WLAN ist nicht gleich WLAN. Ob ein Signal ausreicht hängt davon ab, was damit gemacht werden soll. Hier die relevanten Richtwerte:
VoIP & Telefonie
Mindestens −67 dBm werden benötigt. VoIP verzeiht keine Schwankungen – zu schwaches Signal führt zu Aussetzern und schlechter Sprachqualität. Anspruchsvollster Use Case.
Standard-Surfen & E-Mail
Ab −70 bis −75 dBm funktioniert normales Surfen, E-Mail und Dateiübertragung noch zuverlässig. Weniger anspruchsvoll als Echtzeitkommunikation.
Medizinische Geräte / Tablets
Je nach Anwendung zwischen −67 und −70 dBm. Digitale Patientenakten, Pflegesoftware auf Tablets – zuverlässige Verbindung ohne Unterbrechungen.
Schwelle zur Unbrauchbarkeit
Unter −80 dBm ist das Signal zwar noch sichtbar, aber für produktive Nutzung nicht mehr zuverlässig. Verbindungsabbrüche, langsame Übertragung, keine VoIP mehr.
Auf den Fluren der Klinik wurden durchgehend Werte erreicht, mit denen VoIP problemlos möglich ist – also über −67 dBm. In den Patientenzimmern selbst war die Situation teils deutlich schlechter – bedingt durch Betonfertigteile und Nasszellen-Module. Das ist in diesem Kontext aber nicht kritisch: WLAN für Patienten in den Zimmern ist komfortabel, nicht medizinisch notwendig. Die relevante Infrastruktur – Pflegepersonal auf den Fluren, Schwesternzimmer, Aufenthaltsräume – war gut versorgt.
Das Fazit: WLAN ist Infrastruktur. Und Infrastruktur plant man nicht am Schreibtisch.
Wenn WLAN nicht von Anfang an mitgedacht wird, öffnet man später Decken. Zieht Kabel neu. Stört den laufenden Betrieb. Und zahlt ein Vielfaches.
Ausschreibungen helfen nicht, wenn digitale Infrastruktur nicht ganzheitlich geplant wird. Eine WLAN-Ausschreibung ohne vorherige Ausleuchtungsmessung ist wie ein Elektroplan ohne Grundriss.
Was wir gelernt haben – und was Sie wissen sollten:
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1Neubau ≠ WLAN-freundlich. Kalksandstein + Betonfertigteile können mehr dämpfen als Altbaumauerwerk. Immer messen, nie annehmen.
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2Designanforderungen haben physikalische Kosten. Deckenintegration sieht gut aus – kostet aber Signal. Das muss in die Planung eingerechnet werden.
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3Kabelführung bestimmt AP-Standort. Nicht nur das Signal entscheidet wo ein AP hinkommt – sondern auch ob da überhaupt ein Kabel hinkommt.
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4Reale Hardware messen – nicht simulieren. Simulationssoftware ist ein Anhaltspunkt. Reale Messung mit dem tatsächlichen AP ist die Wahrheit.
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5Effizienz beim Messen ist entscheidbar. Mobiler Setup mit LTE und Akku macht 1.800 Messpunkte handhabbar. Ohne dieses Setup wäre das Projekt doppelt so teuer geworden.
Dieses Vorgehen ist nicht nur für Reha-Kliniken relevant – überall wo Menschen mit Geräten arbeiten und Funkversorgung erwartet wird:
Wenn Sie sich fragen ob Ihre Funkversorgung wirklich ausreicht – die Antwort ist: messen Sie es. Alles andere ist Raten.
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Wir messen zuerst – bevor ein einziger Access Point bestellt wird. Kostenlos und unverbindlich besprechen wir Ihr Vorhaben.
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